Procivis wurde 2016 mit der Vision gegründet, Lösungen für eine digitale Gesellschaft zu entwickeln, welche sich durch Vertrauen, Respekt der Privatsphäre von Bürger*innen und intuitiver Anwendung auszeichnen. Digitale Identitäten und Blockchain-Technologie waren für uns seit jeher zwei Schlüsselelemente für die Realisierung dieser Vision.

Das Konzept von Self-Sovereign Identity (SSI), welches damals bereits in Expertenkreisen diskutiert wurde, inspirierte unsere Produktentwicklung von Anfang an. Innerhalb der letzten fünf Jahre wurde das Konzept SSI umfassend weiterentwickelt: Das World Wide Web Konsortium (W3C) hat entsprechende Standards publiziert, auf dessen Grundlage zahlreiche Implementierungen, sowohl auf der Infrastruktur- als auch auf der Anwendungsebene entstanden sind. Als Reaktion auf die Forderungen von Bürger*innen nach einer dezentralen und datenschutzfreundlichen digitalen Identität hat sich SSI jenseits der Insider zur bevorzugten technischen Lösung für nationale digitale Identitätsprojekte auf der ganzen Welt entwickelt. Basierend auf unseren Erfahrungen mit eID+-Projekten für digitale Identitäten und den Erkenntnissen, die wir aus der Entwicklung von SSI im Laufe der Jahre gewonnen haben, freuen wir uns heute die Procivis SSI+ Lösung offiziell zu lancieren.

Die Procivis SSI+ Lösung besteht aus einem Desk, einem Wallet und einem Gateway und bietet Austeller*innen, Inhaber*innen und Prüfer*innen von verifizierbaren Credentials (VCs) eine Komplettlösung für selbstverwaltete Identitäten. Eine Evaluation der bestehenden SSI-Frameworks hat uns gezeigt, dass Hyperledger Indy heute die stärksten Datenschutzgarantien, Interoperabilität und technische Maturität bietet. Die SSI+ Wallet für Inhaber*innen nutzt die offenen Hyperledger Aries-Protokolle. Die Verwendung von React Native ermöglicht es, iOS und Android Versionen anzubieten. Der SSI+ Desk erlaubt Behörden und dem Privatsektor Verbindungen (Connections) mit Inhaber*innen herzustellen und verifizierbare Credentials auszustellen, zu ändern und zu widerrufen. Das SSI+ Gateway schliesslich stellt die Verbindung zwischen der SSI-Infrastruktur und den bestehenden IT-Systemen her. Damit können Drittparteien (Relying Parties) verifizierbare Credentials mit Hilfe von OpenID Connect-Standardabläufen verifizieren.

Nur benutzerfreundliche Lösungen haben eine Chance auf breite Akzeptanz. Daher haben wir bei der Entwicklung unserer SSI+ diesem Aspekt viel Beachtung geschenkt und uns am State-of-the-Art Interkationsdesign orientiert. Da digitale Wallets für die meisten Benutzer*innen noch gewöhnungsbedürftig sind, visualisieren wir verifizierbare Credentials als digitalen Zwillinge (Digital Twins) ihrer realen Gegenstücke. Dies veranschaulicht den Nutzer*innen den direkten Nutzen der Credentials. In Anbetracht der Tatsache, dass wir immer mehr via Mobiltelefon Inhalte im Hochformat konsumieren, und das Querformat der Desktops an Bedeutung verliert, haben wir das Wallet konsequent im Hochformat konzipiert. Aufgrund von unseren Tests sind wir überzeugt, eine bessere Lesbarkeit und ein durchgehend intuitives Benutzererlebnis zu gewährleisten.

Unsere SSI+ haben wir erstmals mit dem Prototypen LuxWallet den luxemburgischen Behörden im Dezember 2021 demonstriert. LuxWallet zeigt auf, wie eine Person eine Basis-ID sowie eine Aufenthaltsbescheinigung als verifizierbare Credentials beantragen kann und ausgestellt bekommt. Mit diesen Credentials kann sie anschliessend ein Universitätsstipendium elektronisch beantragen. Damit ist LuxWallet nicht nur ein reiner technischer Prototyp. Vielmehr demonstrieren wir mit LuxWallet wie komplexe Überprüfungen (welche Angaben aus einer Kombination von und/oder einzelner Elemente mehrerer verifizierbarer Credentials erfordern) ohne menschliche Eingaben durchgeführt werden können. Im Fall des Stipendiums fordert eine Drittpartei (Verifier) – hier die Universität – sowohl Angaben zur Kernidentität aus der Basis-ID als auch der Aufenthaltsbescheinigung an.

Der LuxWallet-Prototyp wurde der luxemburgischen Regierung im Dezember 2021 vorgestellt

Der Richtungsentscheid des Schweizer Bundesrats zur E-ID vom 17. Dezember 2021 favorisiert SSI: Die staatliche E-ID soll Nutzer*innen die grösstmögliche Kontrolle über ihre Daten ermöglichen und könnte öffentlichen und privaten Stellen als Identitätsnachweis für unterschiedliche Anwendungen zur Verfügung stehen. Dementsprechend arbeiten wir bereits mit hoher Priorität an Anwendungsfällen, die durch staatliche Registerauszüge, Bildungsnachweise und Anwendungen im Finanzdienstleistungsbereich möglich werden können, um nur einige zu nennen – dies ebenfalls zusammen mit unserer Muttergesellschaft Orell Füssli, um so SSI in der Schweiz und darüber hinaus Realität werden zu lassen. Mit der Lancierung von SSI+ tragen wir weiter zur strategischen Partnerschaft zwischen Orell Füssli und Swisscom bei, um digitale Nachweise basierend auf SSI-Standards zu realisieren.

Denn eine weltweite Bestandsaufnahme von SSI zeigt, dass wir noch am Anfang eines langen Weges bis hin zur umfassenden Nutzung von SSI sind. Während es bis jetzt gelungen ist, die technische Machbarkeit von SSI zu demonstrieren und das Interesse von Bürger*innen und politischen Entscheidungsträger*innen zu wecken, wird es in den nächsten Jahren vor allem darum gehen, dieses Fundament zu verstärken. In technischer Hinsicht bedeutet dies, dass Sicherheit, Skalierbarkeit und Interoperabilität vorangetrieben werden müssen. Auf politischer Ebene sind internationale nationale Regulierungen zu formulieren, um das volle Potential von SSI global ausschöpfen zu können. In diesen Zusammenhang möchten wir die Pionierarbeit Kanadas mit dem Pan Canadian Trust Framework (PCTF) und die Bestrebungen der EU mit eIDAS 2.0 hervorheben. Schliesslich müssen Politik, Verwaltung und Wirtschaft heute mit Pilotimplementierungen gemeinsam Erfahrungen sammeln, damit in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts Skalierung von SSI erfolgreich ist.

Procivis unterstützt seine Kunden auf diesem Weg nicht nur mit technologischen Lösungen, sondern auch mit unserem umfassenden Know-how in Form von Beratung.

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